GPS:

N 48°47.17085', E 14°46.24463' 

48°47'10.251"N, 14°46'14.678"E

48.7861808N, 14.7707439E

N 48°47.02220', E 14°46.13745' 

48°47'1.332"N, 14°46'8.247"E

48.7837033N, 14.7689575E

Wander Card: Nr. 2886 - Terčino údolí

 

Die Geschichte

Heute lässt sich nicht mehr feststellen, wann genau mit der Umgestaltung des Tals zwischen Nové Hrady und Horní Stropnice in einen Landschaftspark begonnen wurde. Im 17. Jhd. befand sich an jener Stelle das buquoyische Jagdgehege. Anhand von Archivmaterial läßt sich das umfassende Unterfangen bis ins Jahr 1770 zurückverfolgen. Wegen der hier neu erbauten Sommerresidenz wurde der Herrensitz im Tal des Flüsschens Strobnitz ‚Neugebäude‘ genannt, in Abgrenzung zum alten Wohnsitz auf dem Gratzener Stadtplatz. Bald hatte sich der Name ‚Theresiental‘ durchgesetzt. Wahrscheinlich hat Jan Nepomuk Buquoy, der diesen Ort für seine Ehefrau Therese schaffen ließ und ihn ihr 1781 schenkte, den Namen gewählt. Unter ihrer Anleitung wurden sämtliche Umgestaltungen durchgeführt und es gelang einen der ersten Naturparks auf tschechischem Boden anzulegen. Auch wenn von der anfänglichen Gestalt des Theresientals kein Bildmaterial erhalten ist, belegen u.a. zwei Besuche von Kaiser Franz II. in den Jahren 1801 und 1812 seine damalige Bekanntheit. In dieser malerischen Umgebung kamen die Kunst führender Wiener Künstler sowie Erfahrungen aus dem Bereich der Landschaftsarchitektur und Botanik - vorwiegend aus dem deutschsprachigen Raum - zur Geltung.

Die erste Gestaltungsphase ist vor allem mit zwei Namen verbunden: dem kaiserlichen Architekten Isidor Ganneval und dem obersten gräflichen Gärtner Ignaz Fnoika. Letzterer starb während der von ihm begonnenen Arbeit im Jahr 1780. Neuer ‚Hofgärtner‘ wurde Johann Michael Wanka, der sich zunächst auf eine fünfmonatige Erkundungsreise in die deutschen Länder begab.

Vermutlich, um Erfahrungen zu sammeln und sich zu inspirieren, wie die Gräfin. Sie hatte ein Jahr zuvor die Gärten im norddeutschen Dessau, in Wörlitz und in Leipzig besucht. Eine weitere Reise des Gärtners der Buquoy führte laut seinem Reisetagebuch nach im Jahr 1784 unter anderem in das Schloss Rothenhaus, in den Garten des hannoverschen Grafen Waldmund, den berühmten Park Weissenstein bei Kassel wie auch nach Dessau.

Nach dem Tod von Theresie im Jahre 1818 verlor der Park seinen Glanz und seine Funktion. Die Nachfolger vergrößerten die Parkfläche zwar ständig durch den Zukauf von Land, die vorhandenen Gebäude wurden jedoch nur noch gelegentlich genutzt. Man dachte weiterhin an die Landschaftskompositionen, die Garten-Durchblicke und die Aussicht in die Ferne auf die Stadtdominanten und das Panorama des Gratzener Berglandes. Mitte des 19. Jhd. wurden einige Bauten unter Georg Johann im romantischen Stil umgebaut.

 

Die Hammermühle

Die Hammermühle war bis 1751 im Besitz der Buquoy. Dann wurde sie verkauft und gehörte 100 Jahre lang der Müllerfamilie Kristl. 1853 gelang es, die Mühle mitsamt der angrenzenden Grundstücke zurückzuerwerben und die Buquoy nahmen weitere Veränderungen im Theresiental vor. Der einfache Bau der alten Mühle wurde durch den Anbau von neuen Erkern, Terrassen und Giebeln mit Tudorfenstern im romantischen Stil in eine englische Cottage umgewandelt, ähnlich wie andere Bauten im Schlosspark und in der Umgebung der Stadt.

Jetzt ist in der Hammermühle die Restauration und die Pension Hamr.

 

Kleines Kurbad

Das sog. Wenzelsbad ließ Therese 1788 auf einer Anhöhe über dem Bach anlegen. Sie benannte es nach ihrem Vater Johann Wenzel Fürst von Paar. Es war kein Kurbad im klassischen Sinne, vielmehr handelte es sich um ein kleines Herrenbad im Gartenpavillon mit symmetrisch plazierten zweiflügeligen Bauten, das ursprünglich als Wirtschaftsgebäude des Blauen Hauses diente. Im rechten Flügel befanden sich Pferdeställe, Schuppen und Lagerhäuser, im linken Flügel Personalbehausungen. Fast die Hälfte des Gebäudes bestand aus einem Salon. Öffnete man die drei französischen Fenster auf die Terrasse, hatte man einen Blick über den Bach in Richtung Blaues Haus. Das Kurbad hatte den Charakter einer künstlichen Grotte.

Jetzt ist in Kleinem Kurbad die Restauration und die Pension Tereziiny Lázničky.

 

Blaues Haus

Das Blaue Haus entstand am Umbruch der 60er und 70er Jahre des 18. Jahrhunderts als Sommerresidenz von Therese Buquoy. Die heutige Ruine war früher ein elegantes Gebäude mit dem Durchmesser von 15x12 Meter. Später wurde das Gebäude blau angestrichen, was dem Haus seinen Namen gab. Das kleine unterkellerte Schloss bot jeglichen Komfort. Neben dem großen Salon gab es sechs weitere bewohnbare Zimmer: ein Empfangszimmer, ein Toilettenzimmer, ein Gästezimmer und ein Dienstzimmer, ein Schlafzimmer und einen kleinen Salon. Unmittelbar daneben befand sich ein Gebäude, das zuerst als Küche der Gräfin und später als Behausung der Fischer und Gärtner diente.

 

Wasserfall

Der 13 Meter hohe künstliche Wasserfall am Flüsschen Strobnitz war schon immer eine der größten Attraktionen im Park. Die letzten 128 Meter der insgesamt 720 Meter langen Zubringerwasserleitung bestehen aus einem Steinplattenbecken und einem Abschnitt, der direkt in die Felswand eingemeißelt wurde. Laut Archivquellen wurden die Röhren des neuen Wasserfalls im Jahr 1782 von Taglöhnern verlegt. Rechnungen aus jenem Jahr belegen das Heranschaffen großer Felsblöcke in das Flußbett der Stobnitz, die daduch den Charakter eines Wildbachs erhalten sollte. Am Rande des ersten ursprünglichen Sees entstand zudem eine Fischerhütte.

Laut der damaligen Autoren stellte die gesamte Komposition des geschlossenen felsigen Tals im Geist der beginnenden Romantik die bemerkenswerteste Stelle des Parkes dar. Von ihrer Beliebtheit zeugen auch die großen Mengen an erhaltenen Bildern und Fotografien, welche die Buquoy anschaffen ließen, wie auch Postkarten für Touristen aus der Zeit des Umbruchs vom 19. zum 20. Jahrhundert. Auf mehreren Fotografien ist auch die sog. Tonihütte zu sehen, von der sich ein einzigartiger Blick auf den Wasserfall bot. Das kleine Häuschen wurde in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gebaut und wurde angeblich nach einer treuen Dienstmagd benannt.

 

Wasserspeicher in Humenice

Von Beginn an wurde das Tal immer wieder von Überschwemmungen und einem erhöhten Wasserstand des Flüsschens Strobnitz erfasst. In der frühen Gestaltungsphase des Parks im August 1794 gab es die schlimmste Überschwemmung, die den gesamten oberen Teil des Tals beschädigte, mitsamt der Gebäude am Wasserfall und den meisten Brücken. Die Flutwelle im Mai 1915 erreichte nach einem starken lokalen Gewitter teilweise bis zu vier Meter. Das Wasser hinterließ im Park und in der Gemeinde Niederthal erhebliche Schäden: Brücken wurden abgerissen, Wege zerstört und der nordwestliche Teil des Blauen Hauses erheblich beschädigt. Im Abschnitt zwischen dem Wasserfall und diesem Gebäude wurde sogar das Flussbett der Strobnitz dauerhaft verändert. Nach der Überschwemmung im Jahr 1935 wurde das Blaue Haus nicht wieder hergerichtet. Heute sind nur noch die Grundmauern übrig. Zur Regulierung des Durchlaufes und zum Schutz vor Überschwemmungen wurde im Jahr 1988 der Wasserspeicher in Humenice über dem Theresiental gebaut.

 

Genpool

Der Obsthain, an den heute nur noch ein paar verwilderte Kirschbäume erinnern, befand sich auf einem Grundstück in der Nähe der Burg Cuknštejn (Zuckenstein). Auch ein historischer Bienenstock gehörte dazu. Der heutige Obsthain wurde 2003 angelegt. Die Bäume wurden mithilfe der gleichen Methode vermehrt, die unsere Vorfahren in bäuerlichen Gärten verwendet haben – durch Veredelung der Sämlinge. Die Edelreiser stammten von alten Bäumen, die an Orten verschwundener Siedlungen und Einöden, an Feldrainen oder in den alten Gärten des Gratzener Berglands wuchsen. Jeder, der den Obsthain zur Zeit der Reife besucht, kann sich ein Bild davon machen, welchen Reichtum unterschiedlicher Geschmäcker, Formen und Farben die Apfel- und Birnenbäume unserer Vorfahren boten. Neben den damals weit verbreiteten Sorten wie Strýmka (Bohnapfel), Jeptiška (Roter Eiserapfel) oder Kardinál žíhaný (Geflammter Kardinal), gibt es hier auch pomologische Seltenheiten wie beispielsweise Syreček úhřetický. Indem die Mutterbäume an ihren ursprünglichen Orten manchmal auch sieben Jahrzehnte ohne jegliche Pflege überlebt haben, bewiesen sie ihre Vitalität und Beständigkeit in den hiesigen Bedingungen. Künftig kann der Obsthain außer Obst auch Edelreiser für die hier bewährten Sorten liefern.

 

Festung Cuknštejn (Zuckenstein)

Die Festung Zuckenstein befindet sich am südwestlichen Rand des Parks und gehört zu den am besten erhaltenen mittelalterlichen Festungen in Südböhmen. Den ältesten Teil ließ Ritter Vilém Pouzar z Michnic in den Jahren 1488-1491 errichten. Sie bestand aus einem östlichen und einem westlichen Flügel, die durch eine Burgmauer verbunden waren, mit einem hervorstehenden Burgturm und einem Burggraben mit Festungswall. Nachkommen von Vilém ließen nach und nach einen Südflügel mit Tor, den Nordflügel, den Turm und einen Anbau in der nordwestlichen Ecke fertigstellen.

In der Zeit von 1570-1618 gab es mehrere Besitzer: die Rittergeschlechter Boubínských z Újezda und Kábů z Rybňan. 1620 kam die Festung zusammen mit dem Gratzener Herrschersitz in den Besitz der Buquoy, die sie für wirtschaftliche Zwecke verwendeten. Baulich veränderte sich das Objekt danach kaum mehr. Im Jahr 2000 erwarb ein privater Besitzer die damals heruntergekommene Festung und rekonstruierte sie mit Feingefühl. So wurden unter anderem die in der gotischen Kapelle entdeckten Fresken professionell restauriert. Die Festung Zuckenstein ist für der Öffentlichkeit geschlossen.

 

Schweizer Haus

Ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts entstanden in den Schlossgärten Europas zunehmend Schweitzer Hütten. Der damalige Adel beobachtete auf seinen Reisen das Landleben und betrachtete es als Abbild des verloren gegangenen Ideals eines natürlichen Lebens. Die ursprüngliche Schweitzer Hütte im Theresiental des Gratzener Berglandes lies Georg Heinrich Buquoy im Jahr 1852 umbauen.

Ihre Lage auf dem Berg nordöstlich vom Gabrielsteich bot einen einmaligen Blick auf Gratzen. Im Erdgeschoß befanden sich fünf Zimmer, die als Wohnungen der Angestellten der Buquoy dienten. Die drei größeren Räume im Obergeschoss (Salon, Kabinett und Dienstzimmer) waren für die Grafenfamilie bestimmt.

 

20. Jahrhundert

1949 wurde der Park zum staatlichen Naturreservat ernannt. Seit 1992 gehört eine Fläche von 139 Hektar zum Nationaldenkmal Theresiental. Unter Naturschutz stehen neben der wertvollen Parklandschaft auch besonders geschützte Pflanzenarten und zahlreiche Vogelarten.

 

Gegenwart

Nach einer umfassenden Revitalisierung des Parks in der zweiten Hälfte der 90er Jahre kam es nach dem Jahr 2010 zu einer spürbaren Qualitätssenkung bei der Pflege dieses Denkmals. In den Jahren 2011-2015 wurde vom Institut für Geschichte und Künste der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik das Forschungsprojekt ‚Erneuerung der buquoyischen Kulturlandschaft` durchgeführt, das neue Erkenntnisse über die geschichtliche Entwicklung aller Parks im Gratzener Bergland und ihre Bedeutung im tschechischen und europäischen Kontext brachte.

Der Öffentlichkeit wurde eine große Menge bislang nicht veröffentlichter historischer Fotografien, Pläne und Zeichnungen vorgestellt, von denen seither einige auf den Informationstafeln auf dem Pfad‚ „Die Buquoysche Landschaft“ zu sehen sind.

Aufgrund des daraufhin neu entstandenen Interesses an der Parkgeschichte wurde im Jahr 2014 eine Bürgerinitiative gegründet, die sich für eine bessere Pflege des Kulturdenkmals einsetzt. Seit dem Jahr 2015 fungiert die Bürgerinitiative als Verein unter dem Namen ‚Okrašlovací spolek pro Terčino údolí, Nové Hrady a okolí‚ (Verein zur Verschönerung des Theresientals, Gratzen und Umgebung)‘.

 

Landkarte: theresiental landkarte
Die gedruckte Version:

Die gedruckte Version finden Sie im Kultur- und Informationszentrum Nové Hrady (Gratzen) und es ist gratis.

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Weitere Informationen über die Geschichte: www.novehradyhistorie.cz