GPS:

N 48°47.43485', E 14°46.97045'

48°47'26.091"N, 14°46'58.227"E

48.7905808N, 14.7828408E

Wander Card: ---

 

Manche Schlossparkbesucher sind wohl überrascht, wenn sie erfahren, dass die Geschichte der Garten- und Parkgestaltung auf dem Gebiet zwischen den Straßen Richtung Třeboň (dt. Wittingau) und nach Nakolice mehr als zweihundert Jahre vor Baubeginn des Schlosses zurückreicht. Aus einem bereits 1593 im alten Grundbuch vermerkten Vertrag ergibt sich die Veräußerung des Gartens am oberen Tor durch Wilhelm von Rosenberg.

Auch Maria Magdalena von Buquoy, auf der Suche nach einem adäquaten Ersatz für den verschwundenen Garten auf dem Stadtplatz, hatte sich für diese Grundstücke interessiert. Das erhaltene Inventar zeigt, dass es hier in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts einen Zier-, Gemüse- und Obstgarten gab.

Die größte Blütezeit erlebte der Garten in den Jahren 1715–1720, als Jan Bartůšek, Hofgärtner von Karl Kajetan von Buquoy, die großzügige skulpturale Barockkomposition durchsetzte. Der zentrale Teil des Gartens wurde an den Seiten von einem Spalier abgeschlossen und bildete somit ein rechteckiges Blumenparterre mit Blumenvasen und Steinpyramiden. An das Parterre schlossen sich Gewächshäuser, Feigenhaus und Sommerreithaus an. An den Seiten befanden sich Obst- und Gemüsegärten, an der Einfriedungsmauer gab es einen Schießplatz, und an der östlichen Seite wurde der Zierteil der Parkanlage mit einem rechteckigen Becken abgeschlossen. Der Ziergarten war verbunden mit einer Lindenallee und an sie anschliessende Fasanerie, von welcher der Grundriss in Form von zwei Sternen noch erkennbar ist. Außer diesen zeugt von der prachtvollen Barockphase nur noch eine Gedenkinschrift, die an den nicht adeligen Gärtner Bartůšek erinnert.

Im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts wurde die Anlage in einen englischen Park umgestaltet. Der Obst- und Gemüsegarten wurde ersetzt durch eine Wiese mit eingefügten Baumgruppen. Das geometrisch regelmäßige Wasserreservoir wurde in einen Teich verwandelt. Die Gewächshäuser und das Feigenhaus wurden entfernt und durch ein neues großzügiges Gewächshaus ersetzt, welches 1794 südlich vom kleinen See gebaut wurde, und von dem nur noch die Frontmauer mit einem Portal, sowie mit der bereits erwähnten Inschrift erhalten ist. An der Hauptallee entstand durch eine Anhäufung von Steinen ein künstlicher Wasserfall und unterhalb der Allee dann ein kleiner See mit einer Insel. Die Wiese im östlichen Teil der Parkanlage wurde nach Westen erweitert, wobei hier in den Jahren 1779-1780 ein kleines „Modeldorf“ errichtet wurde.

Weitere Änderungen wurden im Park zu Lebzeiten von Jiří Jan Jindřich in den 50er-und 60er-Jahren des 19. Jahrhunderts durchgeführt. Auf dem erweiterten Teich entstand eine Insel mit einer Gruppe von Bäumen und einer Zugangsbrücke. Das Dorf wurde im damals beliebten Stil der englischen Gotik gestaltet. Der Felsenwasserfall und der kleine See wurden dagegen wegen Wassermangel aufgelassen. Zusammen mit dem Umbau der Hintertreppe des Schlosses entstand 1862 ein Blumenparterre umgeben von Balustraden-Geländern aus Zement. 

Nach 1958, als die Fachschule für Landwirtschaft ihren Sitz im Schloss fand, kam es zu einigen nicht gerade einfühlsamen und nur rein zweckgebundenen Eingriffen (Errichtung einer Tribüne, Anlage von Lehrfeldern direkt auf dem Blumenparterre und Flächen zur Baujagd). Diese Eingriffen verschwanden jedoch nach Auflösung der Schule und dank einer gesamten Parkrenovierung im Zeitraum 1999–2000. Das Renovierungskonzept war insbesondere auf die Behandlung der groß gewachsenen Bäume, die Säuberung vom verwilderten Gehölz, die Wiederherstellung des Wegenetzes und Erneuerung der Durchsichten in die Landschaft ausgerichtet. Es wurden zugleich die Balustraden entfernt, durch die der ganze Parterreteil vom landschaftlich gestalteten Rest der Parkanlage abgeteilt war.

 

Das Schloss

 

Fernsicht zum Waldrevier Kapinos

Die zentrale Schlossanlage wurde bewusst entlang folgender Blickachse situiert: Schlosswiese - Wintergarten – Gartentreppe - Schlossgarten. Einen Fernblick nach Norden ermöglichten sowohl die Terrasse der neuen Gartentreppe, als auch der in der Durchsicht des Schlossparks gelegene Aussichtsort. Diesem folgte eine neu errichtete „lange Allee“, die das Waldrevier Kapinos durchquerte und weiter zu einer 8 Kilometer entfernten Dominante führte, einem 30 Meter hohen Obelisk aus dem Jahre 1860. Der Obelisk war eine Holzkonstruktion, der Verputz imitierte allerdings eine raue steinartige Oberfläche. Der Kalkverputz konnte jedoch der Belastung der Witterung nicht standhalten und verfiel allmählich, bis der Obelisk 1914 abgerissen wurde. Ein hochragender Obelisk als landschaftliche Aussichtsdominante war in Böhmen eher nicht besonders üblich. Hinsichtlich der grossen Sichtweite können wir sogar über eine Rarität sprechen.

Auf beiden Seiten der langen, von Kapinos bis zum Obelisk führenden Allee wurden zwischen 1858-1860 zwei aneinander gleiche „Eintrittshäuser“ erbaut. Das Gebäude rechts wurde als Forsthaus Kapinos genutzt, das linke als Pferdestall. Die dortigen Bewohner waren vor allem Förster, Holzfäller und Tagelöhner. Identische Vorgängerbauten waren auch die Häuser im Schlosspark Červený Hrádek (dt. Rothenhaus), die Gabriela, die Mutter von Jiří Jindřich (Georg Heinrich) von Buquoy, errichten ließ.

 

Baumgehölze im Schlosspark

Den Grundgestaltung der Parkanlage ist von Linden geprägt. Unweit des Westflügels steht der Rest eines Lindenrondells. Zusammen mit einer 540 Meter langen Lindenallee ist dies das Erbe der großzügigen barocken Parkkomposition aus der Zeit von Karel Kajetan von Buquoy. Neben Linden finden wir hier auch Eichen, Erlen, Weiden, Ahorne, Buchen, Birken, Fichten, verschiedene Tannenarten (Weißtanne, Colorado-, Grau- und Küstentanne) und Kiefern (Wald-, Jeffrey- und Schwarzkiefer). Es wachsen hier jedoch auch nichteinheimische Nadelhölzer, wie etwa Lawsons Scheinzypresse, Erbsenfrüchtige und Nootka-Scheinzypresse, oder der Abendländischer und der Riesen-Lebensbaum.

  • Gingo-Baum (Ginkgo x biloba)

Der seit seiner Entstehung nahezu unveränderte Ginkgo-Baum trägt den Titel "lebendes Fossil", denn er ist der einzige noch existierende Vertreter aus der Familie der Gingoate, die am Ende des Paläozoikums und noch am Anfang des Mesozoikums auf der ganzen nördlichen Halbkugel verbreitet waren. Heute ist der Ginkgo-Baum in der freien Natur auf einem kleinen Gebiet im südöstlichen China erhalten. Er wurde um 1730 nach Europa gebracht und als Zierbaum angepflanzt. Der vor dem Gratzener Schloss wachsende Ginkgo ist 15 Meter hoch. 1978 wurde er bei einem starken Sturm durch einen nebenstehenden umstürzenden Baum schwer in Mitleidenschaft gezogen. Die beschädigte Baumkrone wurde abgeschnitten, die Schnittwunde konnte nach dieser Behandlung wieder so gut heilen, und der Baum hat eine neue Krone gebildet. Seit 1989 steht der Baum unter Denkmalschutz.

  • Ahornblättrige Platane (Platanus x acerifolia)

Die Platanen sind massive breitkronige Bäume, die in vielen europäischen Parkanlagen seit dem 17. Jahrhundert oft angepflanzt werden. Der am Schlosssee wachsende Baum ist jedoch weit davon entfernt, ein so hohes Alter erreicht zu haben. Dennoch eine Sonderposition kann man ihm nicht verleugnen- dieser wächst in der Tschechischen Republik am höchsten über dem Meeresspiegel.

  • Fleischrote Rosskastanie (Aesculus x carnea)

Es handelt sich dabei höchstwahrscheinlich um eine Hybridform zwischen der Gewöhnlichen Rosskastanie (Aesculus hippocastanum) und der nordamerikanischen Roten Rosskastanie (Aesculus pavia). Von der am häufigsten gepflanzten Gewöhnlichen Kastanie unterscheidet sie sich durch die leuchtende rosa Blütenfarbe und eine etwas spätere Blütezeit. Seit den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts ist sie ein beliebter Teil der Garten- und Parkanlagen. In letzter Zeit kommt sie wieder in Mode, da sie von dem sich fast ausschließlich in den Blättern der weißblühenden Gewöhnlichen Rosskastanie entwickelnden Schädling, der Rosskastanienminiermotte nicht so oft angegriffen wird. Im Schlosspark ist sie auf der östlichen Wiese zu sehen.

  • Riesenmammutbaum (Sequoiadendron giganteum)

Gelegentlich auch "Berg-Mammutbaum" genannt, zählt zu den mächtigsten Bäumen der Erde. Der weltweit grösste Exemplar, bekannt unter dem Namen „General Sherman Tree“ ist stolze 80 Metern hoch und wiegt geschätzte 2150 Tonnen. Die ursprünglichen Waldbestände befinden sich in kalifornischen Bergen. In europäischen Parks wird der Riesenmammutbaum seit der Hälfte des 19. Jahrhunderts angepflanzt. Dies ist auch der Grund, warum die europäischen Bäume noch keine Riesengrößen erreicht haben. Die im östlichen Teil des Schlossparks wachsende Sequoia ist erst zwanzig Jahre alt.

  • Gemeine Fichte "Schlangenfichte" (Picea abies "Virgata")

Im östlichen Teil unweit des Mammutbaumes ist eine weitere Besonderheit zu sehen, die sogenannte „Schlangenfichte“ mit langen herabhängenden Ästen. Es handelt sich um eine besondere Wachstumsform der Gemeinen Fichte, deren Ausbreitung etwa Mitte des 19. Jahrhunderts beginnt.

 

Das „Dorf“

Am östlichen Rand des Parks wurden um 1780 fünf neue Häuser gebaut, die nach ihrer Gründerin als "Theresiendorf" benannt wurden. Ähnliche kleine stilisierte „Dörfer“ wurden im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts zu beliebten Teilen der adeligen Parkanlagen. Sie verbanden sowohl die damalige Faszination für alles Englische, als auch die Vorliebe für die Ideale Rousseaus in seiner Bewunderung der Natur. Die oftmalige Nachbarschaft botanischer Gärten und die Errichtung von Vogelvolieren ist auf das damals wachsende Interesse für Botanik und Zoologie zurückzuführen. Nach Mitteleuropa breiteten sich solche künstliche Dörfer von Frankreich aus, wobei sich für sie auch die Bezeichnung hameau oder hamlet üblich wurde Bekannt ist das parallel gebaute Hameau (dt. Weiler), das die französische Königin Marie Antoinette in Versailles errichten ließ. Im Gegensatz zu der „volkstümlichen“ Fassade waren die Innenräume der einzelnen zum kurzzeitigen Verweilen der Aristokratie bestimmten Innenräume sehr luxuriös gestaltet. Im Jahre 1796 bildeten folgende Gebäude das Gratzener Dorf: ein kleiner Bauernhof, ein Knusperhäuschen, die Einsiedelei, ein mit Schindeln gedeckter Glockenturm und das Kegelspiel. Das Dorf diente zur Erholung, zur Erfrischung während langer Spaziergänge, aber auch zur Lektüre oder zum Unterricht. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde auf Iniziative von Jiří Jan Buquoy eine umfangreiche Umgestaltung durchgeführt. Das Dorf bestand nun aus acht Backstein-, Blockwerk- und teilweise Fachwerkhäusern, die mit Schindeln und Strohdächern bedeckt waren. Einige hatten die Form englischer cottages, der Rest erinnerte an die regionale ländliche Architektur. Von fünf bewohnbaren Objekten wurden vier vom pensionierten Personal der Buquoys genutzt. In dieser Form kennen wir das Dorf aus den erhaltenen Gouache-Bildern und Fotografien. Im 20. Jahrhundert hat das Dorf aufgehört, seinen ursprünglichen Zweck zu erfüllen und hat sich nicht mehr entwickelt. In den 50er Jahren wurden alle Häuser niedergerissen und dem Erdboden gleichgemacht.

 

Die Holzskulpturen im Schlosspark

An mehreren Stellen des Schlossparks sind Holzskulpturen zu sehen, die hier nach dem Internationalen Schnitzersymposium im Jahr 2006 aufgestellt wurden. Damals trafen sich zehn Holzschnitzer aus den baltischen Staaten, aus Österreich, Ungarn, der Ukraine, der Slowakei und der Tschechischen Republik, wobei die künstlerische Leitung in den Händen von Jaroslav Buncko lag – dem Herz und der Seele der Veranstaltung, mit deren Vorbereitung er mehrere Monate verbrachte. Bereits im Vorfeld wurden die Aufstellungsplätze und Themen festgelegt, und es wurden auch bestimmte Künstler angesprochen. Das 14-tägige Symposium fand um die Wende Juli/August 2006 im Schlosspark statt und war frei zugänglich für jeden, der die Entstehung der jeweiligen Statuen mit verfolgen wollte. So sind am Schlosssee Kunstwerke zu sehen, wie beispielsweise: Die Bank, als Symbol der Weltvereinigung, des ungarischen Künstlers Orisko Ferenc, oder Die Seele der Natur, als Beschützer der Natur, von Arunas Snieckus aus Litauen. Etwas tiefer hinein in den Park ist Die Vase platziert, deren Schöpfer Aivars Student, ein begabter Künstler aus Litauen ist, und die eine Kopie der im Schlosspark der einst am selben Ort stehenden Sandsteinvase darstellt. Aus dem Symposium hervorgegangene Skulpturen kann man nicht nur in der Schlossparkanlage bewundern, sondern auch in anderen Teilen der Stadt laden solche die Besucherinnen und Besucher zur Besinnung und zum Verweilen ein. Dabei lassen sie die Vorübergehenden zum Nachdenken und Bewundern des Handwerks der Schnitzkunst bringen.

 

Gegenwart

Das Grundstück, auf dem sich der Schlosspark heute befindet, gehört Teils der Stadt Nové Hrady und zum anderen Teil der „Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik“. Beide Institutionen sind laufend an dessen Erneuerung und Pflege beteiligt und lassen diesen zugleich nahezu uneingeschränkt für die Öffentlichkeit zugänglich. Man kann also den Schlosspark jederzeit an mehreren, entlang der ganzen Parkanlage befindlichen Eingängen betreten. Desto wichtiger und notwendiger ist es, dass sich die Parkbesucher verantwortungsbewusst an die Regeln halten, keinen Schaden anrichten und mit guten Absichten das Gelände betreten, um den Park mit vollen Atemzügen genießen zu können.

 

Landkarte:

schlosspark plan

Die gedruckte Version:

Die gedruckte Version finden Sie im Kultur- und Informationszentrum Nové Hrady (Gratzen) und es ist gratis.

schlosspark

 

 

 

 

 

 

Der Prospekt "Schlosspark Nové Hrady (2018)"

 

Weitere Informationen über die Geschichte: www.novehradyhistorie.cz